Im Frühjahr 2026 beginnt eine neue dreijährige Ausbildung in Allgemeinmedizin am Institut für Allgemeinmedizin und Public Health Bozen. Die Bewerbungsphase für die erste Aufnahmerunde endet am 23. Februar (12.00 Uhr), eine zweite Frist läuft vom 18. Mai bis zum 19. Juni 2026. Erfahrungsberichte von Absolvent:innen zeigen: Der Lehrgang stellt einen Mehrwert dar, da er Theorie und Praxis frühzeitig miteinander verbindet, stark am Alltag der Allgemeinmedizin orientiert ist, den kontinuierlichen Austausch zwischen Kolleg:innen fördert und zudem verlässliche finanzielle Rahmenbedingungen bietet.

Ärztin für allgemeinmedizin in naturns.
Theorie und Praxis greifen ineinander
Die Ausbildung am Institut für Allgemeinmedizin und Public Health Bozen verfolgt das Ziel, angehende Allgemeinmediziner:innen frühzeitig an den Berufsalltag heranzuführen. Die Verschränkung von Theorie und Praxis wird von Dr. Michael Gadner hervorgehoben. Er hat nach mehreren Jahren als Krankenhausarzt für Chirurgie den Schritt in die Allgemeinmedizin gewagt. „Besonders wertvoll fand ich während der Ausbildung in Bozen die meisten der verschiedenen Seminare: Sie waren sehr oft praxisbezogen und haben einen guten Überblick über viele Themenstellungen geboten. Außerdem war der Austausch mit den Kolleg:innen der verschiedenen Kurse und Jahrgänge sehr anregend“, sagt Dr. Gadner, der mittlerweile eine Praxis für Allgemeinmedizin in Meran führt.
Die Vorteile der Ausbildung in Südtirol
Dass die vom Institut angebotene Ausbildung nicht einzig für Südtiroler:innen attraktiv ist, bestätigt Dr. Sofia Farronato: „Ich stamme aus dem Veneto und habe mich entschieden, meine Ausbildung in Südtirol zu absolvieren, weil ich wusste, dass sie dort ernsthafter, umfassender und mit größerem Respekt gegenüber der beruflichen Rolle der Allgemeinmediziner:innen durchgeführt wird als in den mir vertrauten Berufskontexten.“ Ein zusätzlicher Faktor sei die finanzielle Planbarkeit der Ausbildungszeit gewesen, erklärt die in Naturns tätige Ärztin für Allgemeinmedizin: „Bei meiner Entscheidung spielte auch die Möglichkeit eine Rolle, ein dem Ausbildungsaufwand angemessenes Stipendium zu erhalten, das es erlaubte, sich weitgehend auf den Lehrgang zu konzentrieren.“
Universitäres Niveau der Lehre
„Das Ausbildungsangebot des Instituts ist von hoher Qualität. Lehrveranstaltungen werden sowohl von Südtiroler als auch von auswärtigen Unterrichtenden gehalten. Dadurch erhält die Lehre einen universitären Zuschnitt“, betont Dr. Sofia Farronato. Einen Mehrwert der Ausbildung in Allgemeinmedizin am Institut in Bozen erblickt sie in der laufenden Qualitätssicherung und „in der aktiven Einbindung der Auszubildenden bei der Anregung und Auswahl jener Themen, die sie vertiefen möchten“, so Farronato.
Moderne Kompetenzen für den Berufsalltag
Ein spezieller, in der Praxis zunehmend relevanter Schwerpunkt ist die Ultraschalldiagnostik. Dr. Sofia Farronato hebt POCUS (Point Of Care UltraSound) als zeitgemäßen Kompetenzbaustein hervor: „Dabei lernen die Auszubildenden, das Ultraschallgerät sicher und gezielt einzusetzen, um schneller zu erkennen, was ihren Patient:innen fehlen könnte. Besonders hilfreich ist diese Methode dort, wo rasche Entscheidungen nötig sind oder kein Krankenhaus unmittelbar erreichbar ist“. Ein weiterer Kernpunkt der Südtiroler Ausbildung in Allgemeinmedizin ist das ausgedehnte Praktikum in ausgewählten Praxen. „Dieses Praktikum hilft dabei, sich bewusst und realitätsnah dem anzunähern, was es bedeutet, den Beruf tagtäglich auszuüben“, so Dr. Farronato.
Warum Allgemeinmediziner:in werden?
Südtirols Ärztinnen und Ärzte für Allgemeinmedizin bilden ein entscheidendes Glied in der medizinischen Versorgungskette. „Gut ausgebildete Allgemeinmediziner:innen können das Gesundheitssystem massiv entlasten, sie bilden das Fundament der Gesundheitsversorgung. Schlecht ausgebildete Ärzte verursachen hingegen unnötige Kosten“, sagt Dr. Michael Gadner. Zwischen dieser strukturellen Bedeutung und der konkreten Begegnung im Sprechzimmer spannt sich jedoch ein weiterer, oft unterschätzter Bogen: jener der persönlichen Nähe und der kontinuierlichen Begleitung über Jahre hinweg. In wohl kaum einem anderen Bereich der Medizin sei die Arzt-Patienten-Beziehung so zentral wie in der Allgemeinmedizin, ergänzt Dr. Sofia Farronato: „Ich bin der Ansicht, dass das Vertrauensverhältnis zu den Patient:innen die Qualität der Behandlung immens beeinflusst. Die Ärztin und der Arzt für Allgemeinmedizin sollten gleichsam zu bevorzugten ,Influencer:innen‘ in Gesundheitsfragen werden.“ Aus dieser Rolle erwächst eine klare Haltung gegenüber dem eigenen Beruf: „Ich kann diesen Ausbildungsweg jungen Kolleg:innen empfehlen, die nach dem Medizinstudium in die Berufswelt eintreten – vorausgesetzt, sie empfinden ihn wirklich als ,ihren‘ Weg. Das heißt: Wenn sie sich neben der reinen Medizin, mit der sie täglich konfrontiert sein werden, auch für den zwischenmenschlichen Teil unseres Berufs begeistern können“, so Dr. Farronato. Den direkten Austausch mit den Patient:innen, aber auch der ganzheitliche Ansatz in der Allgemeinmedizin bezeichnet Dr. Michael Gadner als Mehrwert seines Berufs: „An meiner Arbeit faszinieren mich die Kenntnis um die Lebensumstände der Patient:innen und ihrer Umwelt, ihre moralischen Wertvorstellungen, das individuelle Erleben von Wohlbefinden und Krankheit durch verschiedene Lebensentwürfe und Lebensläufe, das gemeinsame Erarbeiten von Kompromissen und das geschenkte Vertrauen“, unterstreicht Dr. Gadner.

Arzt für allgemeinmedizin in Meran.
Lehrgang 2026–2029
Die Ausbildung in deutscher und italienischer Sprache ist EU-weit anerkannt. Sie wird durch ein Landesstipendium unterstützt. Im Frühjahr 2026 beginnt ein neuer dreijähriger Lehrgang in Bozen.
ERSTE SESSION
- Ende Bewerbungsphase: 23. Februar 2026 (12.00 Uhr)
- Aufnahmeprüfung: 25. März 2026 (9.00 Uhr), Claudiana Bozen
- Lehrgangsbeginn: 27. April 2026
ZWEITE SESSION
- Bewerbungsphase: 18. Mai bis 19. Juni 2026 (12.00 Uhr)
- Aufnahmeprüfung: 15. Juli 2026 (9.00 Uhr), Claudiana Bozen
- Lehrgangsbeginn: 7. September 2026
Die Ausbildung am Institut für Allgemeinmedizin und Public Health Bozen dauert drei Jahre. Der praktische Teil (Vollzeit) umfasst 144 Wochen. Darin eingebettet ist der Theorie-Teil mit ca. 110 Seminaren. Die Theorie-Seminare finden am Universitären Ausbildungszentrum für Gesundheitsberufe „Claudiana“ in Bozen statt. Es besteht die Möglichkeit, eine Teilzeitausbildung zu absolvieren, wobei die Praktika in Allgemeinmedizin und Pädiatrie immer in Vollzeit abzuleisten sind.
„Die Allgemeinmedizin ist die Basis unseres Gesundheitswesens. Entscheidend ist nicht nur die fachlich-wissenschaftliche Kompetenz. Entscheidend ist auch das Vertrauen zwischen Ärztin bzw. Arzt und Patient:innen. Dieses Vertrauen bestimmt maßgeblich die Qualität der Primärversorgung. Die Ausbildung an unserem Institut verbindet eviden basierte Medizin mit der wichtigen zwischenmenschlichen Dimension des allgemeinmedizinischen Berufs. Die starke Praxisnähe, das Stipendium des Landes Südtirol und nicht zuletzt die Zweisprachigkeit schaffen attraktive Bedingungen für jene Ärztinnen und Ärzte, die die Allgemeinmedizin als fachliche, menschliche und gesellschaftliche Aufgabe begreifen“, bilanziert Dr. Doris Hager-Prainsack, Präsidentin des Instituts für Allgemeinmedizin und Public Health Bozen.
Details zur Südtiroler Ausbildung in Allgemeinmedizin:
https://civis.bz.it/de/dienste/dienst.html?id=1004980
Wichtig zu wissen: Die einzelnen Artikel des Gesundheitsblogs des Instituts für Allgemeinmedizin und Public Health Bozen werden nicht aktualisiert. Ihre Inhalte stützen sich auf Forschungsergebnisse und wissenschaftliche Belege, die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung verfügbar sind. Gesundheitsinformationen aus dem Internet können eine persönliche ärztliche Beratung nicht ersetzen. Informieren Sie Ihren Hausarzt oder Ihre Hausärztin über mögliche Beschwerden. Weiter…