Rückenschmerzen sind einer der häufigsten Gründe für Arztbesuche und Krankmeldungen. Eine in der renommierten medizinischen Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlichte Studie liefert nun erstmals hochwertige Evidenz für eine überraschend einfache Maßnahme zur Vorbeugung: regelmäßiges Spazierengehen.

Ein häufiges Problem: Rückenschmerzen kommen wieder
„Rückenschmerzen gehören weltweit zu den häufigsten Gesundheitsbeschwerden. Besonders frustrierend für Betroffene: Auch wenn eine Schmerzepisode abklingt, ist das Rückfallrisiko hoch. Viele Patientinnen und Patienten erleben innerhalb weniger Monate erneut Beschwerden, die den Alltag einschränken. Wirksame und alltagstaugliche Maßnahmen zur Vorbeugung solcher Rückfälle waren bislang kaum durch große Studien belegt“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Christian Wiedermann, Forschungskoordinator des Instituts für Allgemeinmedizin und Public Health Bozen.
Die Studie: Gehen als Prävention – erstmals im kontrollierten Versuch geprüft
Ein australisches Forschungsteam hat in der medizinischen Fachzeitschrift „The Lancet“ die Ergebnisse der weltweit ersten randomisierten kontrollierten Studie (RCT) zu dieser Frage veröffentlicht. 700 Erwachsene, die sich kurz zuvor von einer Episode unspezifischer Rückenschmerzen erholt hatten, wurden in zwei Gruppen aufgeteilt: Die Interventionsgruppe erhielt die Empfehlung, fünfmal pro Woche 30 Minuten spazieren zu gehen, begleitet von sechs Coaching-Einheiten mit einem Physiotherapeuten. Die Kontrollgruppe erhielt keine spezifische Präventionsmaßnahme. Die Teilnehmer waren im Durchschnitt 54 Jahre alt, mehrheitlich weiblich (81 Prozent) und leicht übergewichtig.
Das Ergebnis: deutlich weniger Rückfälle
Regelmäßiges Gehen reduzierte das Wiederauftreten von einschränkenden Rückenschmerzen um 28 Prozent. Die beschwerdefreie Zeit verlängerte sich erheblich: Im Median (= Zentralwert) vergingen in der Gehgruppe 208 Tage bis zum nächsten Rückfall, in der Kontrollgruppe nur 112 Tage – also fast doppelt so lang.
Wie belastbar sind diese Ergebnisse?
„Die Studie überzeugt durch ihre Methodik: 700 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, eine Nachbeobachtungszeit von ein bis drei Jahren und eine Auswertung nach dem Intention-to-Treat-Prinzip, das heißt, alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden unabhängig davon ausgewertet, ob sie das Programm vollständig durchhielten. Eine Verblindung – also das Verschleiern, wer zur Geh- und wer zur Kontrollgruppe gehört – ist bei einer Bewegungsintervention naturgemäß nicht möglich. Dennoch: Die Größe der Studie, die lange Beobachtungszeit und das robuste Studiendesign liefern eine überzeugende Grundlage für eine Empfehlung im Praxisalltag“, betont Prof. Wiedermann.
Was bedeutet das für Sie?
„Wenn Sie in der Vergangenheit Rückenschmerzen hatten und einem erneuten Auftreten vorbeugen möchten, kann regelmäßiges Spazierengehen helfen – fünfmal pro Woche etwa 30 Minuten. Gehen ist eine der einfachsten, sichersten und kostengünstigsten Maßnahmen, die es gibt. Sie benötigen keine besondere Ausrüstung und kein Fitnessstudio. Ein moderates, regelmäßiges Gehtempo reicht aus. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt für Allgemeinmedizin, wenn Sie nach einer Rückenschmerzepisode wieder aktiv werden möchten. Gemeinsam lässt sich ein individuell passender Plan erstellen“, unterstreicht Prof. Wiedermann.
Quelle
Pocovi NC, Lin C-WC, French SD, Graham PL, van Dongen JM, de Campos TF, Stanaway FF, Hancock MJ. Effectiveness and cost-effectiveness of an individualised, progressive walking and education intervention for the prevention of low back pain recurrence in Australia (WalkBack): a randomised controlled trial. Lancet 2024; 404(10448): 134–144. doi: 10.1016/S0140-6736(24)00755-4.
Wichtig zu wissen: Die einzelnen Artikel des Gesundheitsblogs des Instituts für Allgemeinmedizin und Public Health Bozen werden nicht aktualisiert. Ihre Inhalte stützen sich auf Forschungsergebnisse und wissenschaftliche Belege, die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung verfügbar sind. Gesundheitsinformationen aus dem Internet können eine persönliche ärztliche Beratung nicht ersetzen. Informieren Sie Ihren Hausarzt oder Ihre Hausärztin über mögliche Beschwerden. Weiter…